Darum geht die Debatte


Der Bundesrat steht in der Kritik. Von links bis rechts werden ihm Kompetenz, Entscheidungsfähigkeit und Führungsstärke abgesprochen. Im September wählt das Parlament den Nachfolger von Bundesrat Couchepin. Würde das Volk in einer Direktwahl einen besseren Bundesrat zusammenstellen?

AKTUELL: Am 22. August 2009 hat die SVP-Delegiertenversammlung sich klar für die Ausarbeitung eines definitiven Initiativtextes ausgesprochen. Die Lancierung der Volksinitiative rückt damit einen Schritt näher.

Übrigens: Online können Sie die Volkswahl jetzt schon üben. Klicken Sie auf http://alternativer-bundesrat2009.politnetz.ch, nominieren Sie Personen, die Sie aus Überzeugung gerne im Bundesrat sähen, und stimmen Sie für Ihre Favoriten.

Debatte http://volkswahl.politnetz.ch
Geschrieben 14. Juli 18:02, Joël Hafner
Alle Beiträge
Beitrag schreiben
1
Ich kann mir in der Tat nichts Sinnloseres vorstellen als medial inszenierte Super-Parteikonvente wo vom B-Promi bis zum C-Politiker einer nach dem anderen vorträgt, warum Bundesratskandidat X so toll ist und unbedingt gewählt werden muss.

Im Ernst: BR-Volkswahl ist schlicht eine dumme Idee!
- Die Wahlkämpfe würden Millionen verschlingen.
- Die Privatwirtschaft würde sich mittels Wahlkampfspenden noch mehr prostituieren als jetzt schon.
- Das Land würde in der Demagogie versinken.
- Ein Konkordanzsystem wäre nicht mehr denkbar.
- Stabilität wäre Zufall.
- Sachpolitik wäre ein Ding der Unmöglichkeit.
- Politiker hätten noch weniger Privatsphäre als jetzt schon.
- und schliesslich: Klempner würden uns Volkswirtschaftskunde unterrichten!
1 Kommentar
Verstoss melden
Ein Name: Sarah Pahlin. Eine Volkswahl ist unnötig und gefährdet – trotz ihres plakativen Namens – den demokratischen Willen.
Thomas aus Igis - jf 7. Juli 2010 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

2
Kommentar schreiben...
Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

1
Wie sollte das Volk besser wissen, wer am geeignetsten für dieses Amt ist. Da würde der Volksgrüne-Plakatwald ja noch grösser. Ob dabei die Übersicht jedoch steigen würde? Die Landpartei würde sicher ein Minarett aufstellen, um aus der Vogelpespektive Ausschau nach dem oder der Richtigen zu halten.
Kommentar schreiben...
Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

0
Kommentar schreiben...
Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

4
Wird der Bundesrat vom Volk gewählt, werden populistische Anliegen zu stark gewichtet. Das Parlament kennt die Kandidaten besser als wir Bürger und kann so auch eher beurteilen, ob ein Bundesratskandidat fähig ist, zu regieren.
Kommentar schreiben...
Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

3
Das Argument der fehlenden Repräsentation bei einer Volkswahl wird damit entkräftet und der Bundesrat wäre repräsentativ zusammengesetzt.
Kommentar schreiben...
Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

7
Eine direkte Demokratie hat es in der Schweiz bei Wahlen überlokaler nie gegeben. Direkte Wahl hiesse: Ich wähle Personen als meine Vertretung auf die nächste Ebene (Gemeinde, Bezirk), diese Ebene wählt ihre Vertretung in die nächsthöhere Ebene (Kanton), usw.
Schon wenn ich Personen ins Kantonsparlament wählen soll, bin ich als Wählender in einem grossen Kanton wie Zürich weit weg vom Geschehen; es wird mir über Parteiapparate und Medien mehr schlecht als recht vermittelt. Erst recht bei der Wahl von kantonalen Exekutivmitgliedern.
Die Volkswahl von Bundesräten wäre nichts als eine Farce. Es gilt die alte Regel des "Harry Wind" (Romanfigur von Matthias Diggelmann): "Für eine Million mach ich einen Härdöpfelsack zum Bundesrat." Ob das Werbebüro dann Farner oder sonstwie heisst, kann mir gestohlen bleiben: Ich will keine Wahl, die mit viel Geld und Medienmacht manipuliert werden kann. Wählen wir die Leute aus unserer Nähe, die wir auch wieder abwählen können, und geben wir ihnen die Kompetenz, die nächsthöhere Ebene zu wählen. Alles andere ist schlicht Polittheater.
Dass die bisherige Nicht-Volkswahl des Bundesrats lauter Kasperlifiguren à la Merz & Co an die Spitze gespühlt hat, ist kein Grund für die Volkswahl – es würde alles nur noch viel schlimmer. Oder wollt Ihr künftig Abermillionen spenden, nur damit im Wahlkampf Megakasperlifuguren à la Obama obenaus schwingen?
1 Kommentar
Verstoss melden
In der Tat, ein billiger SVP-Gag, der dann aber sauteuer würde: Nicht nur Spenden kostete es, auch Steuern.

Für ein Referendum oder eine Initiative brauche wir 50'000 bzw. 100'000 Unterschriften. Die legitimieren den finanziellen Aufwand der Abstimmung m.E. ausreichend. Es ist ja kaum vorstellbar, dass eine Bundesratskandidatur auch mit 50'000 Unterschriften abgesegnet werden muss. Aber selbst wenn es nur 10% davon wären, wär's ein rechter Aufwand, die 5000 Unterschriften für eine Kandidatur zusammenzukriegen. Ich gehe nicht davon aus, dass bei diesem Aufwand eine breite Palette von KandidatInnen realisiert würden. Und damit wären de facto wieder dieselben, von den grossen Parteien oder Verbänden portierten Leute Kandidierende.
Und ob das Wahlvolk oder das proporzional zum Wahlvolk von diesem gewählte Parlament nun aus einer ohnehin kleinen Auswahl Menschen in ein Amt wählt - was soll sich da am Ergebnis ändern?
David Keel 22. August 2009 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

11
Eine Bundesratswahl vom Volk ist völlig sinnlos, wir können nicht eine Wahl wie in den USA durchführen, durch den Kantönligeist werden grosse Kantone grob bevorteilt, und Minderheiten (Sprachminderheiten, Parteien),etc. vernachläsigt. Es würde eine Zauberformel entstehen, die überhaupt nicht repräsentativ ist.

Die ganze Volkswahl wäre auch mit extremen Kosten Verbunden, in den USA hat das ganze über eine Milliarde Dollar verschlungen, für die Schweiz wären es 7, nicht nur einer. Auch wenn es nicht 1 Milliarde Dollar sein werden, diese riesen Kosten sind eine Geldverschwendung und fördern den Lobbysmus und Druck von Aussen auf die Kandidaten (Finanziell schwache Kandidaten werden wohl keine Chance haben..)
4 Kommentare
Verstoss melden
AKTUELL: Soeben hat die SVP-Delegiertenversammlung sich klar für die Ausarbeitung eines definitiven Initiativtextes ausgesprochen. Die Lancierung der Volksinitiative rückt damit einen Schritt näher.
Politnetz Team - Administrator 22. August 2009 Verstoss melden
Dem Kantönligeist wäre mit Wahlkreisen beizukommen. So würden kulturelle Minderheiten geschützt.
Apropos Lobbyismus: Die Schweiz ist eine Verbandsdemokratie und daher der Lobbyismus schon heute sehr stark. Der Druck auf die Bundesräte ist schon extrem gross (z.B. Banken und Merz). Eine Volkswahl würde sie daher eher entlasten. Und: Die Kosten wären nimmer so hoch wie in USA. Die Schweiz doch relativ klein und damit übersichtlicher als die Vereinigten Staaten.
Peter Müller 2. September 2009 Verstoss melden
Die UBS würde genau aus solchen Gründen aber tausende Franken in Lobbying von Bundesräten stecken... Die Kosten schon alleine für die Regierungsratswahlen kosten mehrere hundert tausend Franken.
Elias Maier - Präsident Jungfreisinnige Burgdorf, jf 22. Januar 2010 Verstoss melden
Die UBS macht schon heute massives Lobbying und bezahlt Parteien dafür, dass sie in ihrem Sinne abstimmen! Vermutlich hat die UBS auch dafür gesorgt, dass am Schluss sogar die SVP dem Staatsvertrag mit den USA zugestimmt hat! Auch wenn ich die Kampagne der Juso nicht wirklich gutheisse, finde ich doch dass da etwas Wahres daran ist, das grenzt an Korruption...
Deshalb ist es absolut notwendig, dass die Parteien ihre Finanzen und Spenderlisten transparent und öffentlich machen. So dass jeder Wähler sehen kann, welche Partei von welcher Firma bezahlt wird!
Severin Bischof 5. Juli 2010 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

4
Im Gegensatz zu einer Volkswahl, wo tatsächlich populistische Wahlaussagen von Bundesrats-Anwärtern zu erwarten wären, bietet die Möglichkeit einer späteren Abwahl durch die Bevölkerung die Gelegenheit, Bundesräte dann nach ihrem tatsächlichen Verhalten zu beurteilen.
Einen Schönheitsfehler sehe ich allerdings, es kann sinnvoll sein, dass vom Bundesrat etwas angestossen werden soll, dass eben nicht populär ist. Eine dann drohende Abwahl könnte hier ein Hemmnis sein. Hier müsste der Bundesrat dann besonders gut argumentieren, und eben der Sache zuliebe vielleicht sogar riskieren, durch eine drohende Abwahl "politischen Selbstmord" zu begehen.
1 Kommentar
Verstoss melden
Die Abberufung der Regierung hat etwa der Kanton Solothurn in seiner Verfassung festgeschrieben. Nachdem die Solothurner Kantonalbank bankrott ging und den 220'000 SolothurerInnen ein halbes Milliarden-Schuldenloch hinterliess, wurde das Instrument erstmals ausprobiert. 6'000 Unterschriften hätten gesammelt werden sollen, um das Volk über die Frage, ob es Neuwahlen wolle, abstimmen zu lassen. Das Ziel konnte innert drei Monaten nicht erreicht werden, die Abstimmung kam nie. Bei den nächsten ordentlichen Wahlen folgte aber dann eine Art Mini-Abbrechnung und der zuständige Finanzdirektor wurde abgewählt.

Darum: Wir müssen lernen, dass wir alle vier Jahren die Weichen stellen können. Wir müssen lernen, nicht immer dieselben Köpfe zu wählen, die sich scheinbar bewährt haben, sondern wir müssen unsere ureigenen und persönlichen Wahlkriterien mal für mal kritisch hinterfragen und uns nach gründlicher Analyse einsetzen für ein "besseres", sprich anderes Parlament. Nur wenn es keine Garantie auf ein "lebenslanges" Mandat gibt, gibt es auch wieder echtes Engagement unter der Bundeskuppel. Demokratie lebt von der Couragiertheit der Wählerinnen und Wähler und nicht von systemischer Perfektion. Eine Volkswahl würde uns geldgesteuerte Manipulationen bringen, es würde zu Tittenspalten-Diskussionen kommen wie aktuell um CDU-Wahlkampf. Wichtige Inhalte würden noch mehr von Hetzern mit nebensächlichen, die niederen Instinkte ansprechenden Kampagnen vernebelt. Die Schweiz würde noch mehr im Sumpf der Dumpfbacken versinken und insgesamt wären wir noch weniger fähig, die wirklich dringenden Fragen mit ausgewogenen Lösungen zu beantworten. Eine weitere Boulvardisierung der Schweizer Demokratie brauchen wir nicht, denn wir verfügen über ein Modell, dass uns bis hin zur geringsten Fragen ein Mitspracherecht einräumt. Wir müssen es nur klug nützen.
Bruno Bucher 18. August 2009 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

12
Der Bundesrat ist ein von den Bundeshausfraktionen bestimmtes Gremium, dass zuallererst den eigenen politischen Machterhalt in der Regierung sichern soll.

Die bis heute - abgesehen von der umfassend und geheim geplanten Abwahl von Christoph Blocher - auf Lebzeiten gewählten Bundesräte, können ihr Amt nach ihrem Beleiben ausüben, ohne Angst vor Konsequenzen. Dies ist ein offensichtlich unhaltbarer Zustand.

Die Bundesräte müssen in die Verantwortung gezogen werden.
5 Kommentare
Verstoss melden
Die Arbeit von Bundesräten hat sehr oft auch noch Jahre nach ihrem Rücktritt (beziehungsweise ihrer Abwahl) Auswirkungen. Die einfachen Bürger können wohl kaum alle Geschäfte der Bundesräte komplett nachvollziehen (und müssen dies zum Glück auch nicht), deshalb können sie auch nicht abschätzen ob ein Bundesrat seine Arbeit gut macht oder nicht. Parlamentarier hingegen, die durch Kommisionen und weitere Parlamentsarbeit eine gewissen Einblick in die Einzelheiten der Geschäfte haben, könne die Arbeit der Bundesräte viel besser beurteilen.
Ich gebe dir aber recht, dass das Parlament diese Kontrollfunktion viel stärker wahrnehmen muss! Es darf nicht sein, dass überaltete Bundesräte (Bsp: Leuenberger, Merz etc.) bei der nächsten Gesamterneuerungswahl wiedergewählt werden!
Severin Bischof 19. Juli 2009 Verstoss melden
AKTUELL: Soeben hat die SVP-Delegiertenversammlung sich klar für die Ausarbeitung eines definitiven Initiativtextes ausgesprochen. Die Lancierung der Volksinitiative rückt damit einen Schritt näher.
Politnetz Team - Administrator 22. August 2009 Verstoss melden
Ich gebe Severin Bischof recht! Wobei Überalterung kein Faktor sein kann, wenn die Arbeit stimmt.
Bruno Grossniklaus - GGR-Mitglied (Gemeindeparlamentarier) Ostermundigen, SP 22. August 2009 Verstoss melden
Haha, Verantwortung... Noch nie hat ein "big man"r in irgendeiner Weise wirklich Verantwortung tragen müssen, in der Wirtschaft so wenig wie in der Politik. Die einzige wirksame Massnahme heisst: Abwahl, und zwar rasch. Damit der “big man" keinen weiteren Schaden mehr anrichten kann, heisse er nun Merz oder wie auch immer.
Billo Heinzpeter Studer 22. August 2009 Verstoss melden
Die Aussage, dass die Abwahl Blochers geheim geplant worden sei, ist falsch: Schon Monate vorher wurden Bücher zum Thema veröffentlicht, Pressekonferenzen abgehalten und in den Medien über die geplante Abwahl von Christoph Blocher berichtet. Man hat stets in aller Oeffentlichkeit gesagt, dass die Politik Herrn Blochers mit dem direktdemokratischen System der Schweiz nicht vereinbar ist und er deshalb a) nicht als Bundesrat gewählt werden darf (2003) und b) als Bundesrat abgewählt werden muss (2003 ff). Das alles waren offen und öffentlich geführte Debatten.
Die SVP hat das Problem, dass ihre Politik offensichtlich nicht mehrheitsfähig ist (sie hat ja seit 1991 praktisch alle ihre Vorlagen bei eidgenössischen Volksabstimmungen verloren); gleiches gilt für einige ihrer BR-Kandidaten: Die sind im Parlament nicht mehrheitsfähig. Die Logik der SVP: Wenn mein Kandidat nicht gewählt wird, suche ich mir eben andere Wähler ...
Fredi Krebs 24. August 2009 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

  Sie haben schon für diesen Beitrag gestimmt.